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Nach 18 Jahren im Todestrakt endlich wieder in Freiheit!

Mit großer Spannung wurde Anthony Graves aus Texas erwartet. Spontan applaudierten die Anwesenden, als er den Gelben Saal betrat. Gleich zu Beginn gelang es ihm mit seiner offenen Art, die ZuhörerInnen in seinen Bann zu ziehen. Mit bewegenden Worten schilderte er die unvorstellbar lange Zeit im Todestrakt, dass die Gefangenen dort „wie Tiere“ behan-delt würden. Er sprach von seinem anfangs naiven Glauben an die Gerechtigkeit der Justiz, von seiner Verzweiflung, von dem zermürbenden Alltag im Todestrakt, von seinen Kindern, die ohne Vater aufwachsen mussten.

Doch vor uns stand kein gebrochener Mann, denn er hat auch viele gute Erfahrungen machen dürfen, die ihm immer wieder Kraft und Hoffnung gegeben haben, z.B. seine Familie , die immer zu ihm gehalten und den Glauben an seine Unschuld nie verloren hat, Menschen wie Frau Marina Vorländer, die ihm Briefe geschrieben hat, ihm immer wieder Mut machte, ihn achtmal im Gefängnis besuchte, unermüdlich Spenden sammelte für einen Anwalt, sich zehn Jahre lang für seine Freilassung eingesetzt hat. Jetzt will er für eine Entschädigung kämpfen, auch wenn es keine Wiedergutmachung für die zermürbenden Jahre unter extremsten Haftbedingungen im Todestrakt geben kann. Aber er blickt nach vorne und setzt sich für die Abschaffung der Todesstrafe ein, denn er wäre beinahe aufgrund eines Justizirrtums mit der Giftspritze hingerichtet worden, zwei Hinrichtungstermine waren festgelegt , aber zum Glück aufgeschoben worden. Seiner Meinung nach stehe es keinem Staat zu, einem Menschen das Leben zu nehmen, sehr wohl aber ihn für begangene Straftaten, wenn seine Schuld bewiesen ist, zu verurteilen.

Während er die Fragen aus dem Publikum beantwortete, war eine große Betroffenheit im Saal zu spüren. Am Ende spendeten alle ZuhörerInnen Applaus, einige nutzen noch die Gelegenheit mit ihm persönlich zu sprechen. Viele folgten dem Spendenaufruf und es kamen 167, 35 Euro zusammen, die wir der Great Charity Action e.V. zugunsten von Anthony Graves übergeben konnten. Allen Spenderinnen und Spendern sei im Namen von Anthony Graves ganz herzlich gedankt!

Der Beitrag des WDR, dessen Team während der Veranstaltung gedreht hat, wird als Einstiegsbeitrag im Rahmen der Themenwoche „50 Jahre Amnesty International“ Mitte Juni zu sehen sein. Sie sind eingeladen, Ihre Eindrücke und Ihre Gedanken zu der Veranstaltung mit Anthony Graves niederzuschreiben. http://ohgblogg.blogspot.com/ .

Also nur Mut! Ich freue mich auf Ihre Beiträge!

Regina Stromberger